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Ida P. Rolf (1896-1979) *



Ida
P.Rolf *
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Für Anmut
in Haltung und Bewegung: Die klassische Zehner-Serie im Rolfing
Es ist mehr als fünfunddreißig Jahre her, als Dr.
Ida Rolf an der Westküste der Vereinigten Staaten begann,
ihre Arbeit einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.
Zu dieser Zeit war sie bereits eine weißhaarige alte Dame,
die ein Leben lang mit ihrer Technik, dem sogenannten Rolfing,
gearbeitet hatte. Damals, in ihrem ersten Ausbildungskurs in
Big Sur, im traumhaft gelegenen Esalen Institut, scharte sich
eine Gruppe von jungen Leuten um Ida Rolf, um ihre Methode zu
erlernen. Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie,
hatte kräftig mitgeholfen, um den ersten Kurs zustande
zu bringen; er sah in Ida Rolfs Arbeit die ideale Ergänzung
zu seiner Gestalttherapie, weil er meinte, dass beim Rolfing
etwas Ähnliches über den Körper erreicht werden
könne, was in seiner Arbeit über die Seele lief.
Obwohl die Gruppe von Ida Rolfs Schülerinnen und Schülern
anfangs noch klein war, wurde schon damals um Rolfing viel Aufsehens
gemacht: Marilyn Monroe notierte in ihr Tagebuch, dass sie gerade
Mabel Todds Buch "The Thinking Body" gelesen habe,
ein Werk, das Ida Rolf stark beeinflusste. Viele von Marilyns
Kolleginnen und Kollegen aus Hollywood, Marlene Dietrich, Greta
Garbo und Cary Grant etwa, kamen zu Ida Rolf. Und sie kamen
alle für eine Behandlungsserie von zehn Sitzungen, in denen
das Bindegewebe von Kopf bis Fuß durchgearbeitet wurde.
In der Talentschmiede der Filmwelt, dem Lee Strasberg Acting
Studio, gehörte es damals zu den Aufnahmebedingungen, dass
die SchauspielschülerInnen erst einmal zum "Rolfen"
gingen, um ihren Körper mit den zehn Behandlungen auf die
anspruchsvolle Ausbildung vorzubereiten.
Die Abfolge von zehn Behandlungen ist auch heute noch der Kern
der Rolfing-Methode, wie sie in Colorado beim von Ida Rolf begründeten
Rolf Institute, aber auch bei der European Rolfing Association
in München unterrichtet wird.
Um dies zu verstehen, ist es nötig, einen Blick auf die
Vergangenheit und die Gegenwart der Rolfing-Methode zu werfen.
Als junge Frau war Ida Rolf, die als eine der ersten Frauen
in den USA als Biochemikerin promovierte, viele Jahre bei einem
Yogameister in die Lehre gegangen. Neben ihrem wissenschaftlichen
Studium beschäftigte sie sich mit allerlei alternativen
Methoden, die für sich beanspruchten, Körper und Seele
des Menschen ins Lot zu bringen. Aus vielen Erfahrungen, die
sie machte, beeinflussten das Yoga und das manuelle Behandlungskonzept
der Osteopathie sie sicherlich am meisten. Beim Yoga, das aus
der Kultur Indiens nach Amerika kam, lernten die Menschen über
die Asanas - ein hochdifferenziertes, Jahrtausende altes Übungssystem
- in einem langen Weg täglicher Praxis Körper und
Geist in Einklang zu bringen. Bei der Osteopathie wiederum,
die in der westlichen Kultur entstanden ist, wurden die Menschen
von den Händen des Osteopathen behandelt, um die Selbstregulationskräfte
des Organismus zu stimulieren.
Rolfing - die Brücke zwischen östlichem
Yoga und westlicher Osteopathie
Nach langen Jahren der Yogapraxis entschloss sich Ida Rolf,
die Yogaübungen mit der manuellen Technik zu kombinieren.
Während ihre Yogaschüler Asanas und Atemübungen
praktizierten, begann sie auf die Verspannungen des Bindegewebes
mit ihren Händen einzuwirken, um damit den Entwicklungsprozess
der Yogaschüler zu beschleunigen. Die Amerikaner nannten
deshalb ihre Arbeit "Drive in Yoga".
Ida Rolf versuchte somit, eine Brücke zwischen dem langen
östlichen Weg des Yoga und dem schnell wirksamen westlichen
Behandlungssystem der Osteopathie zu schaffen. Dabei bemühte
sie sich darum, die Zielvorstellungen der beiden Methoden zu
vereinen. Sie war beeindruckt von den Fähigkeiten der alten
amerikanischen Osteopathen, der ersten Schülergeneration
von A.T. Still und deren Zielvorstellung, den Organismus von
Bewegungseinschränkungen zu befreien. Zugleich schätzte
sie die Kapazität des Yoga, den Menschen von unnötigen
Spannungen zu befreien und sozusagen von innen her aufzurichten.
Und so gelangte sie schließlich zur Verbindung der beiden
Zielvorstellungen im Behandlungskonzept der zehn Rolfing-Sitzungen.
Für diese Serie von Behandlungen gibt es einen klaren Plan:
Der Rolfer beobachtet seine Klienten zunächst immer im
Stehen, im Sitzen und im Gehen. Er achtet darauf, wie der Körper
dieses Menschen zusammengefügt ist, wo er im Lauf des Lebens
zu fest oder zu weich geworden ist, wie die einzelnen Abschnitte
miteinander verbunden sind. Und er richtet sein Augenmerk vor
allem darauf, zu erkennen, ob der Körperbau im Einklang
mit der Schwerkraft steht oder von dieser immer gegenwärtigen
Größe "zusammengestaucht" wird. Der Rolfer
wird danach die wichtigsten Abschnitte des Gewebes abtasten.
Er konzentriert sich dabei insbesondere auf die Faszien, die
die Muskeln einhüllen und für deren Beweglichkeit
eine wichtige Rolle zu erfüllen haben. Er analysiert den
Körperbau dabei wie ein Bildhauer, der eine Skulptur formen
will.
Der Rolfer betrachtet den Körperbau aber nicht nur aus
der Perspektive der Statik. Er setzt die statische Analyse auch
in Beziehung zu der Art, wie sich der Klient im Alltag bewegt;
er möchte die Muster entdecken, die am Arbeitsplatz, auf
dem Bürostuhl, vor dem Bildschirm, im Autositz oder auch
beim Sport und in der Disco typisch sind. Und schließlich
geht er an die praktische Arbeit: Das Ziel der einzelnen Rolfing-Sitzung
wird nun auf den zu Behandelnden abgestimmt. Obwohl es dabei
einen feststehenden Fahrplan gibt, verläuft die Anwendung
selbst sehr individuell.
Von Kopf bis Fuß, von außen
nach innen - Rolfing für den ganzen Menschen
Das Ziel der ersten Rolfing-Sitzung lautet beispielsweise, dem
Atem mehr Raum zu schaffen und die Verbindung zwischen Brustkorb
und Becken etwas zu lockern, damit sich der Organismus besser
aufrichten kann, ohne sich dabei anstrengen zu müssen.
Um dieses Ergebnis zu erreichen, kommt es darauf an, so genau
wie möglich auf den Klienten einzugehen. Rolfer sind ausgebildet,
ein breites Spektrum von Berührungsqualitäten einzusetzen.
Manche werden sehr kraftvoll ausgeführt, der Rolfer fasst
dabei intensiv in das Bindegewebe, wobei er kein Massageöl
verwendet. Viele Behandlungsschritte sind dagegen sehr subtil
und erfordern die aufmerksame Mitarbeit des Klienten: Rolfing
ist zwar vordergründig eine körperliche Behandlung,
aber es ist nicht weniger auch eine Wahrnehmungs- und Bewegungsschulung,
die den Organismus dahin bringen will, seine Fähigkeiten
zur Selbstorganisation und -heilung voll zu aktivieren. Deshalb
ist die Zahl der Anwendungen auch strikt auf zehn begrenzt.
Erst später, nach Monaten der Verarbeitung, sind einige
Sitzungen zur Auffrischung sinnvoll.
In der zweiten Sitzung geht es zumeist darum, die Statik der
Beine und Füße zu verbessern und die Balance zwischen
unserem Rumpf und dem "Untergestell" herzustellen.
Die dritte Sitzung befasst sich mit der Beweglichkeit und Aufrichtung
unserer beiden seitlichen Körperabschnitte. Und in den
Sitzungen vier bis sieben führt der Rolfer schließlich
in die tiefe Innenkonstruktion des Körperbaus, indem er
tiefliegende Faszien und Membranen behandelt. Von der ersten
bis zur siebten Sitzung bringt er dabei in Kontakt mit fast
allen wichtigen Schichten des Bindegewebes: von der Faszie der
Fußsohle, den Membranen des Unterbeins über die Schichten
des Rückens bis hinauf in die feinen Einheiten des Nackens
und in den hintersten Winkel des Kiefergelenks. Zum Abschluss
bleiben noch drei Sitzungen, die achte, neunte und zehnte, um
dem Körperbau nach der umfassenden Grundrenovierung Harmonie
und Stabilität zu geben.
Dabei geht es immer um eine Grundüberlegung, die Ida Rolf
schon sehr früh ausgesprochen hat: Weil wir nicht mehr
auf vier Beinen, wie unsere Vorfahren, sondern auf zwei Beinen
stehen und gehen, ist die Beziehung zur Schwerkraft komplizierter
und auch wichtiger geworden. Es geht um möglichst ausgewogene
Balance der Körperstatik und effektivere Bewegung.
Individuelle Behandlung mit Struktur
und System
Mit den zehn Rolfing-Sitzungen beabsichtigt der Rolfer, die
jeweils beste individuelle Lösung zu finden, indem er den
Körper von unnötigen Spannungen mit ihren oft schwerwiegenden
körperlichen und seelischen Folgen befreit. Die Art wie
das heute geschieht, hat sich seit Ida Rolfs Tagen in mancherlei
Hinsicht weiterentwickelt. Die Rolfing-Methode hat während
der letzten Jahre gerade auch in Europa neue Impulse erhalten,
seit der Schweizer Arzt und Rolfer, Dr. Hans Flury, Ida Rolfs
Grundüberlegungen nochmals vertiefte und der französische
Rolfer und Bewegungsexperte Hubert Godard an der Universität
Paris die funktionelle Seite des Rolfing-Konzepts um neue Aspekte
bereicherte.
Das klassische Prinzip der 10er-Sitzungen ist jedoch noch immer
das kleine und das große Einmaleins der Rolfing-Methode.
Das liegt einfach daran, dass mit diesen zehn Behandlungen ganz
verschiedene Wünsche und Anforderungen der Klienten in
idealer Weise abgedeckt werden: Manche Menschen lassen sich
rolfen, um ihren Körperbau zu verbessern - sie wollen eine
bessere Figur und strafferes Gewebe; andere kommen, um ihren
chronischen Rückenproblemen den Boden zu entziehen, einen
Ausgleich für Alltagsstress und mangelnde Bewegung zu finden;
wieder andere suchen über das Rolfing eine bessere Grundlage
für ihre seelische Balance. Für den Rolfer sind all
diese Wege über die zehn Sitzungen begehbar, in verschiedene
Höhen und Tiefen und in verschiedene Richtungen. Diese
partnerschaftlich mitzubestimmen, ist im übrigen die Klientin
oder der Klient im Rolfing herzlich eingeladen.
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